Studieren in Holland
Die Niederlande können auf eine traditionsreiche Geschichte ihrer Universitäten zurückblicken. Bereits 1575 wurde in Leiden die erste Universität, die heutige Universiteit Leiden gegründet. Derzeit gibt es 18 staatliche Universitäten mit ca. 180.000 Studenten. Dazu kommt eine große Bandbreite privater Hochschulen und Akademien. Das holländische Universitätssystem funktioniert grundsätzlich auf einem hohen Niveau. In keinem anderen Land studieren so viele deutsche Auslandsstudenten wie in den Niederlanden (aktuell ca. 20.000). Grundsätzlich wird in den Niederlanden, ähnlich wie in Deutschland zwischen Universitäten (Universiteit) und Fachhochschule (Hogeschol) unterschieden. Letztere verfolgen eine stark praxisorientierte bzw. anwendugsbezogene Ausbildung. In den Niederlanden wurden die Vorgaben des Bologna-Prozesses schneller und reibungsloser umgesetzt als in Deutschland. Selbst für Fächer wie Medizin gibt es schon jetzt nur noch die Abschlüsse Bachelor und Master. Viele Faktoren machen das Studium in den Niederlanden für Deutsche sehr attraktiv. Es gibt in den Niederlanden keine Zulassungsbeschränkungen, welche sich an der Abschlussnote der Schulzeit orientieren (Numerus clausus). Unabhängig von schulischen Leistungen bekommt jeder einen Studienplatz, auch bei Fächern wie Psychologie oder Medizin. Sollten einmal mehr Bewerber als Plätze vorhanden sein, werden die freien Plätze -leistungsunabhängig- ausgelost (Numerus fixus). Eine weitere Besonderheit des niederländischen Systems ist, dass Studiengänge wie Physiotherapie, Ergotherapie, Krankenpflege oder Logopädie an Hogescholen (Fachhochschulen) angeboten werden. In Deutschland ist eine Ausbildung in diesem Bereich meist nur an sog. „Kostenpflichtigen Berufsfachschulen“ möglich und sehr teuer. Das Studium in Holland ist gebührenpflichtig. Pro Jahr müssen die Studenten z.Zt. 1595 Euro zahlen. Es gibt jedoch eine Reihe von Möglichkeiten, diese finanzielle Bürde ein wenig abzumildern. Erstens ist man bei einem Auslandsstudium in den Niederlanden BAFöG-berechtigt, zweitens gibt es die Möglichkeit einen staatlichen Kredit für die Studiengebühren zu erhalten, welcher erst nach Abschluss des Studiums zurückgezahlt werden muss, und drittens gibt es eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten durch den niederländischen Staat. Für Letztere ist die Beheer Groep zuständig, welche eine Reihe von BAFöG-ähnlichen Förderungen (Studiehulp) auszahlt. Allerdings muss man bei einer solchen Förderung auch dauerhaft in den Niederlanden wohnen. Man sollte nicht erwarten, in einem anderen Land studieren zu können, ohne die Sprache zu beherrschen – dies gilt auch für die Niederlande. Zwar gibt es inzwischen eine Reihe von Studiengängen auf Englisch, in der Grenzregion zu Deutschland sogar einige auf Deutsch, doch findet die absolute Mehrzahl der Lehrveranstaltungen auf Niederländisch statt. An Universitäten wird ein staatlicher Sprachnachweis, das „Niveau NT-2“ verlangt. Kurse für die entsprechenden Prüfungen werden inzwischen auch in Deutschland angeboten. Der Besuch eines solchen meist teuren Kurses ist nicht verpflichtend, es ist auch möglich, die Sprachkenntnisse in Eigenarbeit zu erlernen. Die erforderlichen Kenntnisse für ein Studium an einer Hogeschol sind meist weniger umfangreich.
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