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Särge für 499 Euro

„Trauer ist schon genug Leid… www.saerge-shop.de“, so liest sich die Werbung des Unternehmens von Kai Kogelboom, welches günstige Särge auch für Privatpersonen anbietet. „Pietätslos“ sagen die einen, die es befremdlich finden, mit einem Tabuthema Werbung zu machen. Andere halten diese Art der Werbung für moralisch nicht verwerflich, so auch Student Frank S. aus Münster, der diese Woche seinen Opa beerdigen musste und als Betroffener die Werbung rechtzeitig gesehen habe: „Natürlich habe ich einen Bestatter in Münster besucht und mich dort nach den Möglichkeiten erkundigt, bei den Kosten ist mir aber echt die Kinnlade runtergefallen“, so der Student. Auch der Besuch eines weiteren Bestatters habe nicht wirklich geholfen, da selbst die einfachsten Särge erst ab 1200 Euro zu haben gewesen seien, ohne Überführung oder gar Zeremonie.

Frank S. erklärte uns die für ihn schwierige Situation: „Ich habe meinen Opa sehr geliebt und ich wollte für ihn eine ordentliche Sargbestattung, damit er in Frieden und in meiner Nähe ruhen kann. Doch habe ich die Preise wohl unterschätzt und ich hatte mich nach den ersten Gesprächen für eine Verbrennung entscheiden müssen, allein aus finanziellen  Gründen und Möglichkeiten“, so der Student. „Gott sei Dank habe ich mich - auch in meiner Trauer – im Internet nach Alternativen umgeschaut und sowohl Discount Bestatter gefunden als auch eine Quelle für günstige Särge, sodass ich ihn so beerdigen kann, wie er es verdient hat“.

Kai Kogelboom, Geschäftsführer von Saerge-Shop.de hat genau diese Kunden im Visier mit seiner Sargherstellung, die allein im Internet vermarktet wird und sich sowohl an Bestatter als auch an Endkunden richtig. „Warum muss man beim Bestatter einen Sarg kaufen und dafür viel mehr Geld bezahlen, wenn es andere Anbieter gibt, die bedeutend günstiger sind“, fasst Kogelboom das Thema nüchtern zusammen. Fragt man zu diesem Thema die Bestatter selbst, hört man viele Gründe, aber allen gemein ist, dass sie ausschließlich auf die verwerfliche Moral der Discounter abzielen, die als „pietätslos“ dargestellt werden, da man hier ein Tabuthema zum Thema mache.
Betroffene sehen das differenzierter: „Natürlich ist es komisch, eine Werbung für Särge zu sehen, aber wenn letztendlich der Betroffene über die Werbung eine Menge Geld sparen kann, dann ist es doch ok und hilfreich“, so ein Kommentar eines Kunden von Kogelboom. Der seit Jahren mit Möbeln handelnde Geschäftsführer gibt zu, dass auch für ihn selbst das Thema erst befremdlich war, er aber durch die konkrete Nachfrage eines Kunden erst auf die Idee zur Sargherstellung für Privatleute gekommen sei. „Wir haben einfach mal ein paar Särge selbst produziert und inseriert. Die Anzahl der Anfragen war erstaunlich“, so Kogelboom weiter, „aber nicht verwunderlich, bieten wir Särge für etwa die Hälfte der üblichen Preise bei Bestattern an.“  Die ihm vor allem von Bestattern vorgeworfene „Pietätslosigkeit“, mit der Kogelboom Särge bewirbt, weist Kogelboom zurück: „Letztendlich wird die Nachfrage entscheiden, ob der Verkauf günstiger Särge auf eine Nachfrage stößt. Pietätslos ist meiner Meinung nach viel eher, dass aus der Trauer der Betroffenen seit Jahren Profit gemacht wird durch vor allem überhöhte Preise für Särge. Es soll sich jeder mal fragen, warum manche Bestatter die Fremdbeschaffung von Särgen prinzipiell ablehnen“.
Es wird abzuwarten sein, ob Kogelboom mit dem bisherigen Tabuthema die Menschen moralisch spaltet. Eins ist auf jeden Fall sicher: eine Nachfrage nach günstigen Särgen wird es immer geben!